„Mich hat in der Wirtschaft noch nie jemand nach meinen Qualifikationen gefragt.“ Mit dieser erst mal überraschenden Aussage begann Roland Goerz seinen Vortrag vor dem Wirtschaftskurs der KS1. „Ich wurde immer nur gefragt, was ich kann“, vollendete der Inhaber des Ingenieurbüros für Unternehmenslogistik seinen Eingangsgedanken. Früher sei er jahrelang Taxi in Ulm gefahren, heute konzipiere er unter dem Namen „Goerz.Logistik.Design“ für unterschiedlichste Unternehmen leistungsstarke Logistikkonzepte.
Zunächst umriss er für die Schüler des Leistungsfaches, worin eigentlich unternehmerischer Erfolg besteht. Erfolg in der Wirtschaft, so Goerz, habe man, „wenn man etwas hat, kann oder weiß, was viele wollen und wenige bieten!“ Daraufhin zeichnet er ein Beziehungsdreieck mit den drei Kundenwerten Qualität, Service und Preis. Für jedes Unternehmen besteht die Herausforderung darin, den Erfüllungsgrad der einzelnen Werte auf 100 Prozent zu bringen. Um einen Wert auf 100 zu bringen, brauche man gute Ideen. Um 2 Werte auf 100 zu bringen, bedürfe es sehr guter Ideen. Um alle drei Werte auf 100 zu bringen, müsse man außergewöhnliche Ideen haben.
Für die Darstellung dieser Erfolgsfaktoren greift er auf ein regionales Unternehmen zurück. Auf die Frage nach der Bekanntheit von Gardena gehen alle Arme hoch. Am Beginn von Gardena, führt Goerz aus, standen die außergewöhnlichen Ideen des Firmengründers Werner Kress: die Kupplung beim Gartenschlauch, der Schlauchwagen oder überhaupt die damals neue Idee, Gartenprodukte sichtbar für Hobbygärtner in den expandierenden Baumarktketten auszustellen. Ein innovatives und starkes Betriebskonzept, betont Roland Goerz. Aber Voraussetzung sei natürlich, dass „der richtige Artikel, zur richtigen Zeit dann auch am richtigen Ort ist.“ Und damit komme die Logistik und seine berufliche Tätigkeit ins Spiel. Produkte von Gardena sind in hohem Maße Saisonartikel: Beginnt im März die Gartensaison, so Goerz, stürmen die Hobbygärtner regelrecht die Läden und wollen was Neues von Gardena. Das ursprüngliche Konzept des Unternehmens – Großlager verteilt auf das Bundesgebiet und angrenzende Ausland – habe aber dazu geführt, dass Ware oft nicht rechtzeitig ankam oder nicht vorrätig war. Und damit beginne seine Arbeit und komme sein Talent ins Spiel: Er wolle Unternehmen zu der für sie passenden und optimalen Logistik verhelfen. Hierbei – und das ist Roland Goerz wichtig – gehe es aber nicht nur um Planung und Zahlen. Am Beginn stehe zunächst eine kreative Phase, denn „Fantasie ist, wenn man sich das Ende vorstellen kann“. Das gelte gerade auch für betriebliche Prozesse. Erst dann gehe es in die Planung und Realisierung. Für Gardena sei es ihm gelungen, ein neues und innovatives Konzept – ein Design – zu erstellen, mit dem die gesamte Logistik vom Ulmer Donautal aus realisiert werden konnte. Allein dadurch habe das Unternehmen seinen Umsatz um 100 Millionen Euro verbessern können.
Neben seinem Referat zu unternehmerischem Erfolg verbindet Roland Goerz ein zweites Anliegen mit seinem Besuch im Unterricht: Er hoffe, den Schülern demonstriert zu haben, dass es darum gehe, sein Talent zu erkennen. Ein Talent hat jeder, ist Goerz überzeugt, und dieses gelte es mit Begeisterung und Freude zu leben. Denn so schließt er seinen Vortrag: „Können zu wollen geht nur übers Tun!“

