Laupheimer Wirtschaftskurs wird für einen Tag zu „Zentralbankern“
Plötzlich steht die Frage im Raum: „Wie entsteht eigentlich Geld?“ Johannes aus dem Wirtschaftskurs des CLG flüstert gewitzt zu seinem Nebensitzer: „Man druckt es halt.“ Das hat Norman Stollhof, der Referent der Bundesbank gehört: „Guter spontaner Konter, aber ganz so einfach ist es natürlich nicht.“ Die Frage nach der Geldschöpfung war aber nur eines von vielen Themen beim Seminartag „Bundesbank insights“. Die Bundesbank-Niederlassung Stuttgart hatte den Wirtschaftskurs des CLG zu diesem Aktionstag in ein Kreativbüro in der Stuttgarter Innenstadt eingeladen. Zusammen mit vier anderen Schulklassen durchliefen die CLG-Schüler ein buntes Programm zu Aufgaben und Arbeitsweise einer Zentralbank.
Zu Beginn ordneten die Referenten die aktuelle Wirtschaftslage ein und die Schüler recherchierten aktuelle Konjunkturdaten. Dann ging es der oben genannten scheinbar einfachen, in Wahrheit aber zentralen Frage nach: Denn Geld, so Norman Stollhof, ist eben mehr als bedrucktes Papier. Ein großer Teil unseres Geldes ist Giralgeld – also die Sichteinlagen auf Bankkonten. Es entsteht in der Regel, wenn Geschäftsbanken Kredite vergeben. Daneben gibt es das Zentralbankgeld: Dieses schafft die Zentralbank und steuert über Leitzinsen und weitere Instrumente die Finanzierungsbedingungen. So setzt die Zentralbank die Leitplanken, innerhalb derer Geschäftsbanken durch Kreditvergabe Giralgeld schöpfen – also eben nicht „einfach drucken“.
Mit diesem theoretischen Rüstzeug wechselte die Gruppe zum Referenten Dr. Andreas Schuler. Im Planspiel „Geldpolitik“ übernahmen die Schüler einen Sitz im EZB-Direktorium und mussten – gestützt auf volkswirtschaftliche Indikatoren – einen Zinsbeschluss fassen. Was aber, wenn die Erzeugerpreise steigen, während der Auftragseingang in der Industrie zurückgeht? Die Folgen wurden abgewogen, Positionen engagiert verteidigt und schließlich ein Kompromiss gefunden. Komplexe Zusammenhänge erschließen sich mit anschaulichen Beispielen viel leichter, lobte Schüler Adrian: „Man konnte das mit den Beispielen gut verstehen.“
Zwischen den inhaltlichen Blöcken blieb Raum für Praxis und Einblicke: Falschgeldexperten demonstrierten, woran man „Blüten“ erkennt und VR-Brillen boten interessante Einblicke in die Arbeit bei der Bundesbank. Am Nachmittag stand ein Bewerbungsworkshop auf dem Programm. Mitarbeiterinnen der Personalabteilung gaben Tipps für Bewerbungsgespräche und testeten in einer Team-Challenge die Gruppendynamik: Wer baut den höchsten Turm? Einige Teams wuchsen unter Zeitdruck derart gut zusammen, dass es für die beste Kooperation sogar einen kleinen Gewinn gab.
Nach einem Tag voller Aha-Momente traten die Laupheimer nach einem Abstecher über den Schlossplatz der Landeshauptstadt die Heimreise an – mit dem guten Gefühl, geldpolitische Entscheidungen künftig besser nachvollziehen zu können.




