In Straßburg kann man auf verschiedenste Weise hoch hinaus: Zum einen gilt das religiös und kulturell, nämlich für den 142 Meter hohen Turm des beeindruckenden Münsters. Zum anderen kann man in der Europastadt auch politisch weit nach oben kommen. Vor allem Zweiteres stand bei der dreitägigen Exkursion der Klasse 10d im Mittelpunkt. Stadtführungen zu Wasser und zu Land stimmten die CLGler aber im ersten Teil der Exkursion auf die wechselvolle Geschichte der ehemaligen Reichsstadt ein. Wie keine zweite Stadt steht sie für die Konflikte, aber heute vor allem die Aussöhnung und Freundschaft der beiden großen Nachbarn Frankreich und Deutschland.
Mit ihrer Exkursion folgten die Zehntklässler der Einladung des Europa-Abgeordneten Norbert Lins, das politische Straßburg zu entdecken. Dies galt zunächst einmal für das Europaviertel der Stadt. Neben dem Europäischen Parlament haben viele andere europäische Institutionen ihren Sitz in der Stadt. Im Rahmen einer europapolitischen Schnitzeljagd besichtigten die Schüler u.a. den Europarat, den europ. Gerichtshof für Menschenrechte oder den dt.-franz. TV-Sender ARTE. Dass die ursprüngliche Route wegen einer Demonstration von Landwirten gegen zu hohe Düngerpreise geändert werden musste, gab einen spannenden Vorgeschmack auf die politischen Prozesse vor Ort.
Höhepunkt war dann auch am dritten Tag die Teilnahme an einer Plenarsitzung und das persönliche Zusammentreffen mit Herr Lins. Er vertritt den Regierungsbezirk Tübingen seit 2014 im Europäischen Parlament. Dort sitzt er für die CDU in der Fraktion der Europäischen Volkspartei. „Ich hab‘ mir jetzt als Jugendlicher nicht vorgenommen, Politiker zu werden“, antwortete er auf die Fragen der Schüler. „Ich war schon seit meiner Abizeit politisch aktiv, hab dann in verschiedenen Verwaltungsbereichen gearbeitet und als meine Vorgängerin aufgehört hat, halt meinen Hut in den Ring geworfen.“ Die Arbeit als Abgeordneter sei vielseitig und spannend, aber mit 4 Kindern manchmal nicht einfach, so Norbert Lins. Das gehe natürlich nicht nur Politikern so. Aber Beruf und Familie zu vereinbaren erfordere einen Spagat, denn: „116 Nächte im Jahr schlafe ich nicht daheim, das ist so.“ Sondern eben in Straßburg oder Brüssel, dem anderen Sitzungsort des EP.
Nach dem Gespräch und einem professionellen Fototermin stand der Besuch einer Plenarsitzung auf dem Programm. Thema an diesem Tag war ein Gesetz zum Binnenmarkt. Im Abstand von 2 Minuten gaben Redner aller Fraktionen Stellungnahmen ab. Über Kopfhörer kann man sich alles in den 25 verschiedenen Sprachen der EU anhören. Die Abstimmung konnten die Schüler dann leider nicht mehr verfolgen. Dafür durfte sich die Klasse in der geschäftigen Kantine des Parlamentes stärken und sich beim Mittagessen unter den EU-Beamten und politischen Mitarbeitern über das Erlebte austauschen. Ein Fußweg zurück in die Stadt, ein letzter Blick aufs Münster und am frühen Abend gings dann per Bus wieder zurück. Gegen 21 Uhr kam die 10d dann müde, aber mit vielen neuen Eindrücken in der Münsterstadt Ulm an.




